Murdoch kauft weiter Internet-Content im Jugendsegment ein

Andreas Göldi, 8. September 2005 17:13 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Respekt, das ist noch konsequentes unternehmerisches Handeln: Vor kurzem noch beklagte Rupert Murdoch die Tatsache, dass die klassischen Medienkonzerne es nicht geschafft haben, sich im Internet zu etablieren. Wenige Wochen später scheint er das zumindest für sein eigenes Unternehmen radikal ändern zu wollen, und redet nicht nur darüber, sondern lässt Taten folgen.

Erst kürzlich hat seine News Corp. den Community-Anbieter Intermix (u.a. Myspace.com) übernommen. Wenige Tage darauf folgte Scout Media, ein Unternehmen, das über 200 Sport-Websites betreibt.

Und heute schlug Murdoch schon wieder zu: News Corp. akquiriert die Videogame-Site-Firma IGN Entertainment für die Kleinigkeit von 650 Mio. US$. Zu IGNs Angeboten gehören unter anderem die Websites IGN.com, Gamespy.com und TeamXbox.com. Alle diese Sites bieten eine bunte Palette von Spieletests, Tipps zu Videospielen, Diskussionsforen zu — wer hätte das gedacht — Videospielen und dergleichen mehr.

Das Businessmodell dieser Sites scheint eine Mischung aus Werbung, kostenpflichtigem Content und Produkteverkauf zu sein. Besonders attraktiv ist die angepeilte Zielgruppe: Jung (18-34), vorwiegend männlich und ausgabefreudig. Mit anderen Worten: Die Traumzielgruppe jedes Werbers, und gleichzeitig diejenige, die man am schlechtesten über klassische Medien erreicht.

Kein schlechter Schachzug von Murdoch, wenn auch teuer bezahlt. News Corp. hat beim Bieterwettbewerb offenbar Viacom ausgestochen und schlichtweg deutlich mehr geboten. IGN ist übrigens eine Firma, die 291 Mitarbeiter beschäftigt, 42.9 Mio.$ Umsatz macht, seit ihrer Gründung noch nie die Gewinnschwelle überschritten hat und jetzt eben mit 650 Mio.$ bewertet wurde.

Hallo? Hat da jemand “Bubble” gesagt?

Ganz so negativ muss man das wohl auch wieder nicht sehen. Aber es ist kaum abzustreiten, dass die traditionellen Medienkonzerne sich jetzt (sehr) teuer in den Internet-Markt einkaufen müssen, den sie nach dem Hype grösstenteils panikartig verlassen haben. Zumindest in den USA passiert das so. Im deutschsprachigen Raum hingegen schlafen die meisten Medienkonzerne nach wie vor den Schlaf des Gerechten — vielleicht eingelullt vom leisen, monotonen Geräusch, das das langsame Abbröckeln ihrer Werbeumsätze produziert? Oder verfügen Europäer einfach über das bessere Gedächtnis und haben den Schock der teuren Fehlinvestitionen in den späten neunziger Jahren noch nicht überwunden?

Auf jeden Fall interessant, dass zum Beispiel im Schweizer Markt erfolgreiche Jugend-Websites wie meinbild.ch und tillate.ch immer noch frei rumlaufen (d.h. noch nicht akquiriert wurden). Mal sehen, wie lange das so bleibt…

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