Unternehmensgründer:
Selbstüberschätzung ist gut

Andreas Göldi, 3. Oktober 2007 10:00 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Man weiss es: etwa 90% der Startup-Unternehmen bringen es nie auf einen grünen Zweig. Etwa zwei Drittel gehen schon in den ersten Jahren pleite, und die meisten andern serbeln zwischen Leben und Tod vor sich hin. Nur eine kleine Minderheit erreicht echten Erfolg. Ein möglicher Schluss aus dieser Tatsache: Fangen vielleicht zu viele Leute ihr eigenes Unternehmen an? Und überschätzen sich all diese Jungunternehmer nicht einfach?

Eine interessante neue Studie (via Marc Andreessen) wirft neues Licht auf diese Tatsachen. Die Forscher aus Berlin, Boston und Rotterdam haben ein paar interessante Dinge in einer breit angelegten Studie herausgefunden:

- Unternehmensgründer neigen dazu, ihre Fähigkeiten und Eignung zur Unternehmensgründung als überdurchschnittlich einzuschätzen. Obwohl sie wissen, dass die meisten Gründer scheitern, halten sie sich für ungewöhnlich qualifiziert. 81% der Jungunternehmer schätzen, dass ihre Erfolgschancen bei mindestens 70% liegen.

- In Ländern mit besonders hoher Unternehmerquote (z.B. USA oder Neuseeland) ist das Phänomen dieser “Selbstüberschätzung” besonders verbreitet. In diesen Ländern ist darum auch die Quote der gescheiterten Unternehmen besonders hoch.

- Unerfahrene Jungunternehmer schätzen ihre eigenen Fähigkeiten höher ein als erfahrene Unternehmer, die schon oft vom Markt geprügelt wurden. Unter anderem deswegen gründen laut einer anderen Studie nur ca. 6% der erfahrenen Unternehmer ein zweites Unternehmen.

- Besonders bedenklich: Eine hohe Einschätzung der eigenen Fähigkeiten korreliert negativ mit dem späteren unternehmerischen Erfolg, d.h. die besonders selbstbewussten Jungunternehmer scheitern am häufigsten.

Die Forscher halten aber auch fest: Übersteigertes Selbstvertrauen ist vermutlich nützlich für die Gesellschaft. Natürlich ist Scheitern bitter, aber ohne die Leute, die überhaupt mal was ausprobieren, entstehen nicht genug erfolgreiche Unternehmen. Und darum sind Länder, in denen Scheitern keine Schande ist, im Durchschnitt wirtschaftlich erfolgreicher.

Statistisch gesehen wird nur eine von tausend Geschäftsideen je finanziert. Von den finanzierten Ideen schaffen es nur sechs von tausend jemals zum Börsengang, also zu richtig grossen finanziellen Erfolgen, und nur wenige mehr zu einem andersartigen interessanten Exit.

Was für Wahnsinnige investieren ihre Zeit in eine Chance von 6 : 1′000′000?

Aber noch viel wichtiger: Wo wäre unsere Wirtschaft ohne diese Wahnsinnigen?

Unternehmertum ist eben ein bisschen wie Wetten beim Pferderennen: Erfolg hat etwas zu tun mit Glück, aber auch mit Sachkenntnis, mit sorgfältiger Kalkulation der Chancen und mit gutem Timing. Und gewinnen kann man nur, wenn man überhaupt mitspielt.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Daniel

    schrieb am 14. Oktober 2007 um 23:42 Uhr (#)

    Ein gesundes Selbstwertgefühl und Optimismus ist für Unternehmer meines Erachtens nach unerlässlich. Die im Artikel beschriebene Mischung aus Sachverstand, Kalkulation und dem Timing in Verbindung mit einer Portion Aggressivität bei der Umsetzung der eigenen Ziele ist es, die Unternehmernaturen ausmacht.

  2. Enrico

    schrieb am 30. Juli 2008 um 10:41 Uhr (#)

    Verstehe ich auch nicht: Die Gaststätte um die Ecke wechselt aller 6 Monate den Besitzer. Die meisten neuen Pächter machen sich keine Gedanken warum eigentlich. Jeder will es immer besser machen als die anderen, das ist das inzige Argument was sie vorbringen.


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