Facebooks neues Werbeangebot:
Gut geklaut

Andreas Göldi, 7. November 2007 22:58 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Grosse Aufregung gestern in der amerikanischen Werbeszene: Facebook, die derzeit heisseste (und überteuertste) aller Websites stellte ihr neues Werbekonzept vor.

Im wesentlichen hat das ganze zwei Komponenten: Die sogenannten “Social Ads” sind so eine Art Google-Adwords-Kopie und erlauben das Schalten von Anzeigen auf Facebooks, die anhand der Profildaten der User besonders gezielt ausgeliefert werden sollen.

Dazu kommen spezielle Webseiten, die Firmen auf Facebook anlegen können. Wie es bei Myspace schon lange möglich ist, kann man dann zum “Freund” von Coca-Cola oder Nike werden — falls man das unbedingt will.

Heute hat Facebook diese Neuerungen freigeschaltet, und ich hab mir das schon mal etwas genauer angeschaut.

Zunächst die Social Ads: In einem sehr an Google Adwords erinnernden Interface kann man zunächst mal die Zielgruppe seiner Anzeige definieren.

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Wenn man also beispielsweise nur 20jährige verheiratete Uni-Abgänger in Tansania mit liberaler politischer Gesinnung erreichen will, ist das jetzt endlich möglich. Da freut sich der Werber aber. Die Einschränkung nach anderen Präferenzen (z.B. Lieblingsfilmen oder so) ist allerdings nur über sehr ungenaue Keywords möglich. Ob das irgendwelchen Sinn macht, muss sich erst mal noch zeigen.

Anschliessend dichtet man seinen Werbetext, allerdings bitte ohne Ausrufezeichen und Umlaute. An Deutsch und ähnliche exotische Sprachen hat man wohl noch nicht gedacht.

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Und schliesslich definiert man noch das Budget und die Zahlungsbereitschaft für die Klicks. Anders als bei Google hat man aber keine Ahnung, wo man im Vergleich zur Konkurrenz steht.

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Das ganze läuft auch schon tatsächlich. Facebook hat in etwa 30 Minunten Testzeit meine kleine Werbeeinblendung bereits 1123 jungen SchweizerInnen mit Uni-Abschluss gezeigt. Aber geklickt hat bisher keiner. Muss wohl am Text liegen.

Alles ganz einfach also, aber beim besten Willen nichts Neues. So funktioniert Werbung auf jeder Suchmaschine auch, nur sind Google und Co. längst deutlich raffinierter. Das etwas genauere demographische Targeting auf Facebook ist natürlich nett, aber auch kein Grund zur grenzenlosen Begeisterung (oder $15 Mia. Firmenbewertung).

Ebenso geklaut (diesmal von Myspace) ist die Idee, Brands und Produkten eine eigene Homepage zu geben. Hier ist beispielsweise die der New York Times:

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Diese Seite kann man dann zu seinen Lieblingsprodukten hinzufügen und wird so offiziell zum “Fan” des jeweiligen Produktes, was Facebook sogleich per Newsfeed der Welt meldet:

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Was man davon genau hat, ist mir aber ehrlich gesagt noch nicht ganz klar geworden. Gut, auf der eigenen Profilpage steht jetzt, welche Produkte (oder Bands) ich angeblich toll finde. Aber das ist auch schon alles. Die eigentlichen Firmenseiten sehen eher nach Deponien für abgestandenes Werbematerial oder altbekannte Features (wie z.B. das “Sharen” von Artikeln in der New York Times) aus. Da hat die Kreativität offensichtlich noch nicht ganz eingesetzt.

Angesichts des ganzen Tamtams, das von Facebook vor dieser Ankündigung veranstaltet wurde, finde ich diese neuen Features ziemlich enttäuschend. Ganz offensichtlich wurde das ganze mit der heissen Nadel gestrickt und wirkt noch sehr unfertig. Kann sein, dass es mit etwas Reifezeit noch besser wird, aber diese Pseudo-Innovationen allein rechtfertigen Facebooks exorbitante Bewertung sicher nicht.

Andererseits: Auch Google hat weder Websuche noch Pay-per-Click-Werbung erfunden, sondern halt einfach perfektioniert. Und auch Facebook hat bisher Stärken weniger im Erfinden, sondern in der besonders guten Ausführung solcher Konzepte bewiesen. Warten wir also mal ab, wie die Akzeptanz bei den Usern sein wird.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Andreas Bersch

    schrieb am 9. November 2007 um 13:16 Uhr (#)

    Stimmt, die Eingabe macht einen wahnsinnig. Nicht nur Umlaute werden nicht angenommen.
    Bei den Keywords matchen fast nur englische. Für den deutschen Markt ist das wohl noch nicht attraktiv.
    Ich habe es aber auch aus Spaß mal eingestellt, um zu sehen, wieviele clicks kommen.


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