Gut gespielt:
Facebook baut aggressiv Developer-Plattform aus

Andreas Göldi, 27. Januar 2008 07:30 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Dass ich kein grosser Fan von Facebook bin, ist regelmässigen Lesern dieses Blogs nicht neu. Und ich glaube weiterhin, dass diese Social-Networking-Plattform grundsätzlich überschätzt wird.

Aber: Facebook hat weiterhin die mit Abstand am besten geplante und ausgeführte Plattform-Strategie in diesem Marktsegment. Dem gegenüber nehmen sich die anderen Mitspieler wie blutige Anfänger aus (Google, Plaxo) oder sind noch gar nicht erst auf dem Spielfeld aufgetaucht (MySpace, StudiVZ, XING). Auch wenn man sich über den Sinn der meisten Facebook-Applikationen (Schafe werfen, anyone?) streiten kann, hat Facebook doch die breiteste und erfolgreichste Entwicklercommunity für allerlei lustige Zusatzmodule angezogen.

Die Verfügbarkeit vieler solcher Applikationen hält Facebook frisch und damit für die User attraktiv.

Und zwei Neuerungen werden diese Führungsstellung wohl noch ausbauen: Erstens hat Facebook gerade eine JavaScript-Library für Zugriffe auf die Facebook-Plattform vorgestellt. Damit können jetzt im Prinzip beliebige clientseitige Webseiten mit Facebook interagieren. Die Programmierung von AJAX-basierten Facebook-Applikationen wird so sehr einfach möglich, und auch rein statische HTML-Seiten können auf das API der Plattform zugreifen.

Konkret gesagt: Jeder Website-Betreiber, der über auch nur elementarste Programmierkenntnisse verfügt, kann damit Facebook-Funktionalität in die eigenen Seiten einbinden, beispielsweise Statusupdates, Freundeslisten usw. Damit können sich Facebook-Applikationen im Prinzip jetzt auch ausserhalb der virtuellen Mauern des Networks ausbreiten. Theoretisch wären vielleicht sogar Facebook-Apps auf Myspace-Seiten möglich (was letzteren Betreiber kaum freuen wird…). Und Facebook verbreitet so potentiell seine Reichweite deutlich.

Die zweite Neuerung ist eher etwas für Fortgeschrittene, aber nicht minder wichtig: In Zusammenarbeit mit Amazon bietet Facebook eine einfache Methode an, mit der man sich auf Amazons EC2-Infrastruktur virtuelle Server für seine Facebook-Applikationen aufsetzen kann.

Der Hintergrund: Viele Facebook-Programmierer waren vom Erfolg ihrer Applikationen so überrascht, dass ihre Server zusammenbrachen. Denn Facebook-Apps werden nicht auf der Infrastruktur des Networks gehostet, sondern beim Anbieter der Applikation. Und obwohl es ziemlich einfach ist, solche Applikation zu bauen (ein Proof of Concept in Python hat mich z.B. weniger als zwei Stunden gekostet), kann sich nicht jeder dicke Server leisten, die Millionen von Zugriffen aushalten können.

Amazon bietet mit seinem EC2-Programm seit einiger Zeit Serverkapazität an, die man sich per Stunde mieten kann. Ich mache derzeit gerade selbst ziemlich viel mit dieser Lösung und bin (nach einer gewissen Lernkurve) begeistert: Mit einfachen Handgriffen kann man sich schnell einen virtuellen, fixfertig vorkonfigurierten Linux-Server hochfahren, den man nur so lange bezahlen muss, wie man ihn wirklich benutzt. Die billigsten Maschinen gibt es schon für 10 (amerikanische) Cents die Stunde, eine richtig dicke Maschine mit Quad-Core-CPU und 15 GB RAM kostet 80 Cents.

Facebook-App-Programmier können mit dieser Lösung schnell neue Kapazität bereitstellen, wenn die Popularität einer neuen Applikation plötzlich abhebt, aber auch schnell wieder loswerden, wenn sich die Begeisterung gelegt hat — eine ideale Infrastruktur für diesen Use Case also. Und Facebook ist schlau, nicht selbst die nötigen Maschinenparks aufzubauen, sondern mit der auf diesem Gebiet führenden Firma zusammenzuarbeiten.

Nur: Das Geld dafür kassiert Amazon. Bei aller technischen Innovation ist Facebook mit diesen Neuerungen der Frage nach dem wirklich lukrativen Businessmodell noch nicht näher gekommen. Aber jedenfalls zeigt die Firma deutlich, dass man das Image des dynamischsten Players in der Social-Networking-Branche nicht so schnell abzulegen gedenkt.

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3 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Malte Landwehr

    schrieb am 27. Januar 2008 um 16:25 Uhr (#)

    Ich denke mal, dass Facebook von Amazon eine Art Affiliate-Beteiligung für jeden vermittelten User bekommt und somit nicht ganz leer ausgehen wird.

  2. Bernd

    schrieb am 28. Januar 2008 um 00:42 Uhr (#)

    95% der Apps sind sinnloser Müll, der lediglich dem Zeitvertreib dient.

    Warum ich auf meine Website eine Freundeliste von FB machen soll, verstehe ich nicht. Das ist dann nix anderes als ein Twitter-IFrame.

  3. Björn Schneider

    schrieb am 28. Januar 2008 um 00:50 Uhr (#)

    Ja tatsächlich, so richtig einleuchtend ist das wirklich nicht…


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