Social-Network-User langweilen sich:
Nutzungszeit stagniert
Apropos Zeitverschwendung: Neusten Statistiken zufolge betreiben die Nutzer von Social Networks in letzter Zeit eher weniger als mehr davon.
Konkret gesagt stagnieren laut neuen Zahlen von comScore für den amerikanischen Markt die durchschnittlichen Nutzungszeiten der populärsten Social-Networking-Sites, obwohl die Userzahlen weiter ansteigen.
In beiden Dimensionen besonders übel dran ist Myspace: Nach einem Höhepunkt von fast 72 Mio. amerikanischen Usern besuchten im Dezember nur noch knapp 68 Mio. die nach wie vor deutlich grösste Networking-Site. Noch schlimmer ist der Rückschlag bei den Nutzungszeiten: Während der durchschnittliche Myspace-User im Dezember 2006 noch fast vier Stunden monatlich auf der Site verbrachte, waren es im Dezember 2007 nur noch knapp drei Stunden.
Etwas besser stehen die Dinge bei Facebook. Aber das massive Wachstum bei den Userzahlen (von 19 Mio. US-Usern auf 34.6 Mio. innerhalb eines Jahres) reflektiert sich nicht deutlich in den Nutzungszeiten: Die waren im Oktober mit 195 Minuten etwa auf dem gleichen Stand wie noch im Februar, sind im Dezember aber deutlich eingebrochen auf noch 169 Minuten im Monat (wobei das natürlich auch was mit Weihnachtszeit und Semesterferien zu tun hat). Immerhin hat Facebook Myspace bei der Nutzungszeit inzwischen praktisch eingeholt.
Bis auf das ziemlich stark genutzte Bebo liegen alle anderen Social Networks abgeschlagen zurück, was den Zeiteinsatz der User angeht. Die eiligen Businessleute auf LinkedIn verbringen gar nur 7 Minuten im Monat auf der Plattform.
Andere Zahlen zu diesem Phänomen zeigt die gleiche Aussage. Hier die durchschnittliche Zahl von Pageviews pro Visit für Myspace, Facebook und Xing:
Offensichtlich erlahmt das Interesse der Myspace-User seit einiger Zeit deutlich, während das der Facebook-Vernetzten etwa stagniert, trotz immer neuer Applikationen. Das Nutzungsprofil von Xing entspricht eher dem einer Suchmaschine oder von Wikipedia: Man geht da mal kurz drauf, um was nachzuschauen, aber verweilt kaum.
Immerhin werden die führenden Social Networks immer noch fast dreimal intensiver genutzt als andere populäre Websites, etwa Nachrichtenportale oder Suchmaschinen. Die Frage ist nur, wie relevant das kommerziell ist. Google etwa hat sehr niedrige Zahlen für die Nutzungszeit, weil die Leute natürlich sofort zu ihren gewünschten Suchresultaten weiterklicken. Aber da Google in dieser kurzen Zeit hoch relevante Werbung zeigen kann, sind die Umsätze entsprechend gross. Social Networks haben hingegen die lange Verweildauer der User noch nicht in entsprechend beeindruckende Umsätze umwandeln können.
Auch im Vergleich zum gesamten Zeitbudget für Medien nehmen sich die Zahlen für Social Networks nicht so beeindruckend aus: User von Breitband-Verbindungen verbringen im Monat durchschnittlich etwa 70 Stunden im Internet (und etwa 100 Stunden vor dem Fernseher). Selbst Myspace nimmt da also nur einen kleinen Teil der totalen Zeit in Anspruch.
Es zeigt sich deutlich: Auch die erfolgreichsten Social-Networking-Sites können sich der zunehmenden Fragmentierung der Medienlandschaft nicht widersetzen. Der Long Tail wedelt wieder mal heftig…
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3 Kommentare zu diesem Artikel
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Daniel
Wen wunderst? Das Problem all dieser Portale ist, dass der User eines Tages alle Funktionen und Möglichkeiten ausgenutzt hat und darüber hinaus erkennt, dass es auch ein Leben außerhalb des “Web2.0″ gibt. Von daher sehe ich schon seit Jahren die Entwicklung des Nutzerverhaltens dahin gehen, dass ständig neue Dienste ausprobiert werden bzw. entsprechende Portale kommen und gehen, wohingegen richtig redaktionelle Angebote eine wesentlich längere Halbwertszeit haben. So manch VC-Investor wird sich noch verwundert die Augen reiben, weil sich seine Investitionen nicht lohnen.
Thomas
Ist ja auch nicht sonderlich verwunderlich. Der Tag hat nur 24 Stunden, die Menschen haben nur begrenzt Zeit (zum Zeitverschwenden).
Enrico
Die User warten auf einen neuen Trend, “Social” ist mittlerweile durchgenudelt.