Spass mit Zahlen:
Wie es um Facebook wirklich steht

Andreas Göldi, 1. Februar 2008 18:59 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Normalerweise gehen nicht börsennotierte Firmen mit ihren finanziellen Informationen ziemlich vorsichtig um. Zwar gehört es in Startups heutzutage zum guten Ton, die Mitarbeiter regelmässig sehr offen über den Stand der Dinge zu informieren, aber das sollte man möglichst doch so tun, dass Aussenstehende davon nichts mitkriegen. Und in meiner Erfahrung klappt das auch ausgezeichnet. In mehr als zehn Jahren sehr offener Informationspolitik bei meiner alten Firma hatten wir nie ein Leck, weil die Mitarbeiter wussten und respektierten, was für die Öffentlichkeit bestimmt war und was nur für Insider.

Etwas lockerer scheint man das bei Facebook zu sehen. Die gestern an einem internen Firmenmeeting bekanntgegebenen finanziellen Informationen machen jedenfalls gerade ihre Runde quer durchs Internet. Da scheint es doch den einen oder anderen Mitarbeiter bei Facebook zu geben, dessen Loyalität und/oder Sinn für Diskretion nicht besonders ausgeprägt ist. Aber wir freuen uns natürlich über diesen Einblick in die Hype-Maschine Facebook.

Konkret waren angeblich folgende Zahlen zu vernehmen:

Umsatz 2007: $150 Mio. (wie schon vielerorts vermutet)

Umsatzprognose 2008: $300-350 Mio. (schöne Steigerung, aber immer noch viel kleiner als Myspace)

Kapitalauslagen für 2008: $200 Mio. (das gibt aber viele, viele Server…)

Mitarbeiterzahl: Jetzt 450, Ende 2008 ca. 1000.

EBITDA für 2008 (Gewinn vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern): $50 Mio. Klingt zunächst gut, ist aber eine weitgehend bedeutungslose Zahl. Denn bei Investitionen von $200 Mio. ergibt das einen negativen Cashflow von $150 Mio., womit Facebook die Hälfte seiner kürzlich erhaltenen Investitionen von $300 Mio. von Microsoft und anderen bereits dieses Jahr verbrennen würde.

All das sind durchaus respektable Zahlen. Facebook wächst schnell (zumindest laut Prognose) und investiert kräftig. Dass man in so einer Wachstumsphase kräftig Geld verbrennt, ist nicht ungewöhnlich, dafür ist das Kapital ja da.

Aber: Es zeigt sich auch, dass Facebook weit davon entfernt ist, das nächste Google zu sein. Google hatte nämlich in seiner vergleichbaren Entwicklungsphase nicht ein Umsatzwachstum von 100% im Jahr, sondern von über 400%! Und Google verlochte damals nicht $150 Mio., sondern hatte einen positiven Cashflow von $200 Mio auf einen Umsatz von $440 Mio. Ausserdem: Googles interne Finanzinformationen drangen nie an die Öffentlichkeit. Offenbar gibt es da nicht nur einen finanziellen Unterschied zu Facebook, sondern auch einen kulturellen.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Malte Landwehr

    schrieb am 3. Februar 2008 um 20:01 Uhr (#)

    Auch wenn Facebook nicht das neue Google ist, so ist es doch der einzige Kandidat für diesen Titel.


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