iFund:
Venture Capital für iPhone-Anwendungen

Andreas Göldi, 6. März 2008 23:38 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Im Zusammenhang mit der Ankündigung des neuen SDK für das Apple iPhone heute gab es noch eine weitere überraschende Nachricht: Kleiner Perkins, eine der absoluten Top-Venture-Capital-Firmen, investiert 100 Millionen Dollar in einen “iFund”, der Firmenprojekte rund um das iPhone finanzieren soll. Kleiner Perkins ist eine der erfolgreichsten VC-Firmen der Geschichte, hat u.a. Google, Palm, Amazon, Sun, Logitech, AOL und Netscape finanziert und besitzt mit Al Gore einen eigenen Nobelpreisträger/Oscar-Gewinner in den Reihen seiner Partner.

Laut der Ankündigung will dieser neue VC-Fonds in Projekte jeder Grössenordnung investieren, mit einem Fokus auf Location-based Services, Social Networking, MCommerce, Kommunikation und Unterhaltung — mit anderen Worten, so ziemlich allem, was man mit einem iPhone potentiell machen könnte. Dass VC-Legende John Doerr höchstpersönlich diese Initiative an der Apple-Pressekonferenz vorstellte, zeigt, wie ernst es Kleiner Perkins damit offenbar ist.

Dazu muss man zunächst bemerken: $100 Mio. ist für eine Firma wie Kleiner eine respektable, aber keine riesige Grössenordnung. Die Firma hat derzeit etwa 2 Milliarden in ihren Fonds. Trotzdem ist es eine signifikante Wette darauf, dass das iPhone zu einer eigenständigen Plattform mit Massenappeal wird.

Das ist aus zwei Gründen relevant: Erstens sind die Leute bei Kleiner Perkins exzellent vernetzt, haben schon viel gesehen und können darum sehr gut einschätzen, was im Markt einschlagen wird und was nicht. Schon allein das ist eine Verifikation für die iPhone-Plattform mit Signalwirkung.

Zweitens hat die Firma so viele High-Profile-Investments, dass sie viele Hebel in Bewegung setzen kann (und wird), um iPhone-Applikationen zum Erfolg zu machen. Kleiner Perkins kann mal eben bei Amazon, EA, Adobe, Google oder Symantec anrufen und freundlich, aber bestimmt fragen, ob die jeweilige Firma nicht vielleicht bitte auch noch für die iPhone-Plattform entwickeln könnte — oder bei der Gelegenheit auch noch das eine oder andere iPhone-orientierte Startup kaufen wollen würde. Die besten VC-Firmen machen sich den Markt für ihre Startups selber.

Es ist also klar, dass Kleiner Perkins in der iPhone-Plattform eine echt Erfolgschance sieht und darum bereit ist, einen substantiellen Betrag zu investieren. Zum Vergleich: Der vor einem halben Jahr von einigen anderen VC-Firmen aufgelegte Fonds für Facebook-Applikationen umfasste gerade mal $10 Mio. (und man hat nie mehr was davon gehört…). Hier wird hingegen mit der grossen Kelle angerührt, und das könnte durchaus zu interessanten Resultaten führen.

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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. mds

    schrieb am 6. März 2008 um 23:43 Uhr (#)

    Was jetzt noch fehlt, ist VoIP fürs iPhone … per WLAN soll es anscheinend offziell möglich sein, per EDGE/UMTS/etc. hingegen muss man weiterhin herkömmlich telefonieren … :(

  2. Alexander Cyliax

    schrieb am 7. März 2008 um 00:02 Uhr (#)

    @MDS: Gerade in dieser Hinsicht frage ich mich, ob Apple über seinen Schatten springt und bei der zweiten Generation des iPod Touchs ein Mikro integriert…Dann würde es richtig interessant werden!

  3. Christian Lupp

    schrieb am 7. März 2008 um 23:00 Uhr (#)

    @Alexander: Klick doch einfach mal bei den Jungs von Touchmods vorbei …

    http://touchmods.wordpress.com/

    … das Mikro zum anstecken kostet 30 Euro … und die Jungs haben auch shcon einen (SIP) VoIP-Client für den iPod touch

    The future is now ;-)

  4. Allan

    schrieb am 10. März 2008 um 07:06 Uhr (#)

    Has the iPhone been successful in Europe?

  5. arne

    schrieb am 19. März 2008 um 12:59 Uhr (#)

    Fokus auf Location-based Services, Social Networking, MCommerce, Kommunikation und Unterhaltung

    Hm… das wird interessant. Gerade weil Apple das Background-Processing noch nicht erlaubt, wovon viele der oben genannten Anwendungsgruppen profitieren würden.

    Andererseits denke ich, dass der es Paradox ist, einen iFund ins leben zu rufen, aber gleichzeitig nur Apple als Gatekeeper für Software fungieren zu lassen und ein unaugegorenes SDK auf den Markt zu werfen. (”Wir beschneiden Markt, Entwickler und freien Wettbewerb, aber ein Fund soll das wettmachen!”)


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